Unsere Route in Down Under

Wie wir in Australien bald feststellten, hatten wir die Reiseplanung eher fluechtig betrieben, als wir die Destinationen fuer unser Around-the-World-Ticket buchten. Wir wollten/mussten a) in Brisbane einreisen, b) im Great Barrier Reef tauchen, c) Tasmanien sehen und so von Melbourne wieder ausreisen, und es waren uns d) die guenstigen Inlandflugpreise nicht bewusst. So fuhren wir von Brisbane aus ueber die Feiertage nach Norden bis Townsville (etwas suedlich von Cairns) und dann wieder nach Sueden bis Sydney. Von dort flogen wir nach Hobart in Tasmanien und schliesslich nach Melbourne, unsere letzte Destination in Australien.

Zeitlich sah unsere Reise folgendermassen aus:

Queensland:
18.12.05 Ankunft in Brisbane
23.12.05 Bribie Island Zwecks Weihnachten
26.12.05 Rainbow Beach (1+1 Nacht) und Fraser Island (3 Naechte)
31.12.05 Bargara bei Bundaberg (Silvester verschlafen)
02.01.06 Mackay und Eungella National Park
05.01.06 Airlie Beach und Segeltoern
11.01.06 Tauchtoern ab Townsville, dann wieder nach Sueden
17.01.06 Wieder in Bundaberg und Bargara fuer Schildkroeten und Rum
22.01.06 Wieder in Brisbane

New South Wales:
28.01.06 Fahrt Richtung Sydney
30.01.05 Sydney
06.02.06 Blue Mountains
09.02.06 Flug Sydney - Hobart (Tasmanien)

Victoria:
22.02.06 Flug Hobart - Melbourne
25.02.06 Flug Melbourne - Singapur
Also...:

Brisbane: Aboriginal Music

Kurz vor Weihnachten galt es, sich erst an die hiesigen Verhaeltnisse zu gewoehnen: 35 Grad oder mehr im Schatten, Weihnachtsbaeume und schwitzende Santa Clauslis allueberall. Und wie in jedem neuen Land galt es erst mal, ein Gefaehrt zu organisieren. Da ueber die Christmas Holidays ganz Australien fuer Verwandtenbesuche und Surfen unterwegs ist, konnten wir schliesslich nur noch eine teure Hertz-Kutsche mieten, dafuer mit Rundumversicherungs-Wohlfuehlpacket.

Trotz dem Weihnachtsrummel empfanden wir die Stadt mit der grossen Fussgaengerzone im Herzen als sehr gemuetlich, wohl weil wir nur je ein Geschenk fuer uns besorgen wollten. Gar nicht so einfach, ist man doch zu zweit in einem fremden Land sehr anhaenglich und folgt einander Schritt auf Tritt...

Beim Stadtbummeln stolperten wir zufaellig in ein Aborigines- Kunstgeschaeft (Tribal Galleries). Wir wollten uns sowieso mal ein Digeridoo besorgen, so liessen wir uns vom europaeisch aussehenden Verkaeufer einige "Ditschs" und andere Kunstgegenstaende erklaeren. Nach wenigen Saetzen wechselten wir von Englisch auf breites Berndeutsch! Marc Luethy ist vor ueber fuenf Jahren nach Australien ausgewandert und leitet mit seiner australischen Freundin Sarah die Kunstgallerie (siehe auch Menschen von unterwegs). Im dazu gehoerenden Atelier arbeiten mehrere Aborigines-Kuenstler an den Kunstwerken. Die herzliche Atmosphaere der ganzen Belegschaft liess uns einen Digeridoo-Workshop buchen, so bemalten und spielten wir das urtuemliche Instrument waehrend zwei Tagen, bevor wir nach Norden los fuhren.

City Hall mit Weihnachtsbaum; Besuch beim Santa Claus


Kenny; Tanja beim Digeridoo-Malen


Mit Marc im Atelier; Uebung macht den Meister...



Weihnachten auf Bribie Island

Die erste Nacht im Zelt in Queensland war fuer uns wahrlich ein Augenoeffner: Aha, hier kennt man keine Sommerzeit. Das bedeutet, dass es am Abend schon um 19:00 dunkel, dafuer schon vor 05:00 hell wird (was wir in der Stadt noch nicht so recht realisiert hatten). Sucht man sich nicht am Abend einen schattigen Standort, wird man spaetestens morgens um 06:00 von der Sonne aus dem Zelt gebrannt. Da straeubte sich aber unser Biorhythmus fuer einige Tage!

Auf der sehr ruhigen, groesstenteils bewaldeten Bribie Island verbrachten wir leicht an Heimweh erkrankt die Weihnachtstage. Ein kleiner Trost war das Planschen in den Pazifikwellen am 24. Dezember. Zusammen mit den Campinggaesten und dem lokalen Kirchenchor sangen wir am Abend, unter Palmen am Pool sitzend, "I'm dreaming of a white Christmas" und andere Weihnachtslieder, bevor wir uns in trauter Zweisamkeit im Zelt beschenkten (also Paeckli und so, siehe unten...). Am Weihnachtstag wurden wir von den Aussie-Nachbarn in hiesige Weihnachtsbraeuche eingefuehrt: Beim Essen zerreisst man zu zweit knallende Weihnachts-cracker, die wie grosse Bonbons aussehen und Weihnachtssprueche, Weihnachtswitze (!), eine "Weihnachtselfe" aus Plastik und Papierhuete freisetzen. Uns erinnerte das Ganze eher an Silvester als an Weihnachten... bis zur naechsten Weihnacht wollen wir nun definitiv wieder zu Hause sein!

Ein etwas spezieller Adventskranz; Bescherung im Zelt


"Weihnachtsverkleidung"



Fraser Island - groesste Sandinsel der Welt

Nach ueberstandener Weihnacht bereiteten wir uns in Rainbow Beach auf eine Self-drive-tour mit einem Toyota Landcruiser auf der Fraser Island vor. Bis auf die Faehre wurde unsere 12-koepfige Gruppe noch von einem Guide begleitet, dann waren wir auf uns alleine gestellt. Die Fraser Island besteht nur aus Sand und Sandstein, der waehrend dem tiefen Wasserstand der letzten Eiszeiten dort abgelagert wurde. Heute ist sie weitgehend von Regen- und Eukalyptuswald bewachsen. Wie Perlen leuchten aus ihm die wenigen Suesswasserseen hervor. Der Dutzende von Kilometern lange Sandstrad an der Ostkueste dient heute als Highway und Flugfeld. Im Landesinnern gibt es einige 4WD-Pisten mit tiefem Sand. Auf diesen Strassen erkundeten wir waehrend drei Tagen die wilde Insel. Zwoelf Koepfe und fast ebenso viele Meinungen gestalteten die Routenplanung schwierig, besonders drei frisch aus der Armee entlassene Israelis hatten kein sehr ausgepraegtes Demokratie- und Sicherheitsverstaendnis... Dafuer kochten sie ausgezeichnet. Waren die Diskussionen mal beigelegt, konnten wir die Schoenheiten der Insel geniessen. Von den Felsen am Indian Head aus beobachteten wir Schildkroeten und Rochen, Haie und grosse Fischschwaerme im Meer und sogen die herrlichen Ausblicke auf den Pazifik und die Insel ein. Am Lake Amos und am Lake Mc Kenzie entspannten wir uns im glasklaren Wasser, und wir besuchten ein Stueck tropischen Regenwaldes. Die Abende verbrachten wir mit gemuetlichem Beach-camping (siehe auch Menschen von unterwegs).

NACHTRAG MAERZ 2009: Alex Adamy hat uns im Maerz 2009 in der Schweiz besucht. Hier findet man alle Bilder von Fraser Island in Originalgroesse.

Den anschliessenden Silvester liessen wir in Bargara bei Bundaberg ueber uns ergehen. Da hier nichts los oder alles ausgebucht oder geschlossen war, schliefen wir von 21:00 bis ins neue Jahr durch...

Maheno-Schiffswrack; am Indienhead


Duene am Lake Wabby (rechts); Wanggoolba Creek



Eungella N.P. - Schnabeltiere und Regenwald

Auf unserem Weg nach Norden zweigten wir bei Mackay ins Inland ab, um subtropischen Regenwald zu erkunden. Der Eungella National Park ist bekannt als einer der besten Orte, um in Australien frei lebende Schnabeltiere zu sehen. Wir schlugen das Zelt auf einem Platz 300 Meter und 6 Grad kuehler (endlich!) ueber Meer auf und gingen auf die Suche nach dem Eier legenden Saeugetier. Der hiesige "Broken River" besteht bei Niedrigwasser nur aus einer Reihe von Billabongs (aboriginal: Wasserloecher), die von Dschungel umgeben sind (deshalb der Name). Von der Strassenbruecke, die ueber ein Billabong fuehrt sowie entlang des Ufers hatten wir vor Sonnenuntergang und an den folgenden Morgen ausgiebig Gelegenheit, die quirligen Schnabeltiere in Aktion zu erleben! Die ansonsten scheuen Tiere haben sich hier an neugierige Besucher gewoehnt. Nach zwei angenehm kuehlen Naechten und mehreren lauschigen Dschungelwanderungen fuhren wir wieder ins tropische Klima der Kueste.

Waran; Lachender Hans (der Kerl hier klaute Kaese aus Markus' Sandwich)


Schnabeltier; Kakadu in der Abendsonne


Schmetterling (welche Art?); Hischgeweihfarn


Ein Skink



Airlie Beach und Whitsundays

Im Backpackerstaedtchen Airlie Beach verbrachten wir zwei Naechte in unserem Textilofen (Zelt), das wir unter einem maechtigen Mangobaum aufgestellt hatten. Der Schattenplatz war fuer tagsueber gut gewaehlt, in der Nacht wurden wir aber von lokalen Flughund-Rowdies mit Mangos und Exkrementen bombardiert. Immerhin waren die Mangos ausgezeichnet lecker!

Am Freitag den 6. Januar kletterten wir mit 22 weiteren Passagieren (siehe auch Menschen von unterwegs) an Bord der "Spank Me" (engl. i.e. "gib mir einen Klaps auf den Hintern"), eine etwa 27 Meter lange Renn-Segeljacht von 1989, mit der 1990 die Hobart-Melbourne-Regatta gewonnen wurde. Der Erbauer und Multimillionaer Alan Bond wurde nach einem Rennen wegen (fuer ihn) interessanten Finanzspielereien verhaftet, und das Boot fand neue Besitzer. Fuer drei Tage segelten wir auf der Spank Me zu den Schoenheiten der Whitsunday Islands und des Great Barrier Reefs, wo wir auch noch Tauchen konnten. Toent entspannend, war es aber nicht immer: Das Ganze begann damit, dass eine Passagierin zwei Bananen an Bord brachte. Kaum an Bord erklaerte ihr die Crew, dass Bananen an Bord Unglueck bringen wuerden (frueher waren es Frauen :-)). Und schon konnten wir den Hafen eine Stunde lang nicht verlassen, weil irgendwie Wasser ins Dieseloel geraten war. Danach verlief die Reise wie geplant mit Tauchen, viel Gemuetlichkeit und feinem Essen. Aber dann: Am zweiten Morgen um 04:40, als wir 60km vor der Kueste am Bait Reef uebernachteten, wurden wir sehr unsanft aus den Kojen geruettelt. Die Zweimeterwellen eines fernen Sturmes, die uns seit Stunden kaum schlafen liessen, warfen das 50-Tonnen-Schiff so heftig auf und nieder, dass das Tau riss und der Wind uns auf das Riff trieb. Waehrend zwei Stunden krachten wir mit jeder Welle und der steigenden Flut hoeher auf das Riff, bis wir fest sassen. Mit kleinen Beibooten wurden wir schliesslich auf zwei andere Schiffe, die am Riff vertaut waren, evakuiert. Als wir ueber das aufgewuehlte Riffwasser tuckerten, trieb ein gruenes Brett an uns vorbei: Ein Stueck unseres Ruders... Typisch australisch hilfsbereit wurde uns auf der "Kiana", unserem Zufluchtsboot, ein gutes Fruehstueck serviert. Die Spank-Me-Crew konnte schliesslich um 9:00 das Boot befreien, um 11:00 durften wir wieder auf die nur leicht beschaedigte Jacht. Wir waren alle gluecklich, dass nur der Morgentauchgang ins Wasser gefallen war. Wir erholten uns am Nachmittag schnell und gut an der himmlischen White Haven Beach.

Am letzten Abend gegen elf, als eine unheimliche Gewitterfront auf uns zu steuerte, ueberpruefte der Hilfsskipper wegen den Sturmboen das Tauwerk an Deck. Da hob er ploetzlich etwas auf und schmiss es laut fluchend ueber Bord in die Nacht hinaus. So wurden wir alle die letzte Banane los, und die Gewitterfront loeste sich in ein laues Lueftchen auf. Wir glauben nun ebenfalls, dass Bananen an Bord Unglueck bringen! Nach einer weiteren Nacht in Airlie Beach brachen wir kaum erholt zu neuen Abenteuern auf einem anderen Boot auf...

Beim Mangoessen; Palmenstrand in Airlie Beach


Evakuation von der havarierten Spank Me auf die Kiana


Volle Kraft voraus!; Das abgebrochene Stueck Ruder


Whiteheaven Beach; The Spank Me Survivors




Von Townsville zum Great Barrier Reef

Kaum an Land bordeten wir schon wieder ein, nun auf der "Spoilsport" (Spielverderber), einem schwimmenden Hotel mit Tauchdeck. Sie war das einzig passende Angebot, das wir in der Hochsaison kurzfristig und teuer buchen konnten. Und wie hat es sich doch gelohnt! Nach dem Willkommensapero fuhren wir ueber Nacht zum gesunden Wheeler Reef raus, das wir den ganzen Tag und bei Nacht betauchen konnten. Mehrmals begegneten uns graue Riffhaie, in der Nacht auch noch ein Epaulettenhai und ein Zitronenhai, weiter Stechrochen, Schildkroeten, Dutzende von Fischarten und Wirbellose wie Korallen, Oktopusse, Schnecken, Seesterne, -gurken und -igel (die Fotos unten stammen vom Fotowettbewerb dieser Ausfahrt - vielleicht ist der Reisebericht des Tauchleiters noch vorhanden, siehe 10. Januar 2006). Nach den Tauchgaengen erwarteten uns jeweils ein gewaermtes Badetuch und frische Orangenschnitze an Deck und die warme Dusche in der Kabine, waehrend ein Assistent bereits wieder die Flaschen fuellte. Zu den Mahlzeiten servierte uns der Chef de Cuisine herrliche Gerichte, zwischendurch gab's immer Kaffee mit Kuchen. Was fuer ein Taucherleben! Dermassen gestaerkt sanken wir am zweiten Tauchtag gleich fuenf Mal zur "SS Yongala" runter, einem 1911 in einem Zyklon mit 121 Seelen gesunkenen Passagierdampfer. Das Wrack liegt auf der Seite in einer riesigen Sandflaeche zwischen dem Festland und dem Riff. Im Umkreis von Dutzenden von Kilometern befindet sich hier der einzige Unterschlupf fuer Kleinfische. Die grossen und groessten lassen bei diesem ueppig gedekten Tisch nicht auf sich warten... Das Wrack scheint von einer dichten Wolke von Kleinfischen umhuellt zu sein, einige Meter entfernt patrouillieren die grossen Kaliber: 1-m-Makrelen und Barrakudas in Schwaermen, Gruppen von grossen Fledermausfischen, drei schrankgrosse Zackenbarsche, ab und zu eine olivfarbige oder gebaenderte Seeschlange, eine 200-kg-Schildkroete oder ein ebensolcher Stechrochen und bei zwei Tauchgaengen alles uebertreffende Mantas... wenn man all den grossen in der Abenddaemmerung noch beim Jagen zuschauen kann, ist der Tag perfekt! Wir uebernachteten gleich beim Wrack (also oben auf der Spoilsport), tauchten noch zwei Mal und fuhren nach Townsville zurueck. Wegen Manoevrierproblemen unseres Schiffes mussten wir hier per Beiboot in den Hafen chauffiert werden - wir hatten natuerlich Bananen an Bord gehabt...

Die Spoil Sport; "Damselfish" von Matt Coulter


Manta von Nisha Jinadasa; Green Turtle von Richard Brown



Schildkroeten in Bargara

Townsville war der "Wendepunkt" unserer Ostaustralienreise, von hier reisten wir wieder nach Sueden. Diesmal konnten wir uns bei Bundaberg mehr Zeit lassen. Wir belegten den Camping am "Schildkroetenstrand" von Mon Repos bei Bargara. Die regelmaessig hier campierende Familie Wood (siehe auch Menschen von unterwegs) erklaerte uns, was hier von November bis Februar geschieht: Drei Schildkroetenarten nutzen den etwa zwei Kilometer langen Strand meist in der Nacht zur Eiablage. Touristen koennen den von 18:00 bis 06:00 gesperrten Strand am Abend mit gefuehrten Gruppen betreten und nistende alte oder schluepfende junge Tiere (ebenfalls meist nachts) beobachten. Vor allem im Januar kann man beides sehen: Die Jungen aus den Nestern vom November sowie die letzten Weibchen der Saison. Mit unserer Gruppe konnten wir frisch geschluepfte Schildkroetchen vom Nest zum Meer krabbeln sehen - haerzig! Nach Mitternacht sahen wir zusammen mit einem Ranger bei einem anderen Nest den Jungen zu, wie sie sich gerade aus dem Sand befreiten. Tags darauf hatten wir schliesslich noch das Glueck, mitten am Vormittag eine Schildkroete bei der Eiablage zu beobachten, was pro Saison an diesem Strand nur zwei oder drei Mal vorkommt. Das Gelege war etwas zu nahe am Meer, so halfen wir und andere Neugierige einem Voluntaer beim Verlegen der 108 Eier an einen sichereren Ort. Wir sahen leider auch, wie Junge, die um diese Zeit ihr Nest verliessen, auf dem Weg zum Wasser von der Sonnenstrahlung getoetet wurden. Helfen soll man nicht: Die Jungen muessen diese Strecke selbst bewaeltigen, damit sie auf das Magnetfeld des Strandes gepraegt werden. Ohne diese Praegung (d.h. wenn man sie traegt statt krabbeln laesst) finden die Tiere in etwa 15 Jahren ihre Fortpflanzungsbucht nicht mehr.

Falsche Karettschildkroete (Caretta caretta); Nach dem Eier legen deckt sie das Loch wieder zu



Zurueck ins Meer; Die ausgegrabenen Eier beim Verlegen des Nestes.



Tanja hilft beim Verlegen des Nestes; Frisch geschluepftes Jungtier



Vom Zuckerfeld zum Rum

Etwa 15 Kilometer vom Schildkroetenstrand weg steht das inoffizielle Heiligtum der Queenslander, durch das wir uns fuehren liessen: Die Rumdestillerie von Bundaberg. Vielerorts in Queensland waren wir an Zuckerrohrplantagen vorbei gefahren. Die "Zuckerbahn", welche reich verzweigt die Felder durchzieht, bringt das Gewaechs in die Zuckerraffinerie gleich neben der Destillerie. Die bei der Zuckergewinnung anfallende Melasse wird in der Destillerie mit Hefe vergaert, dann wird aus diesem Gemisch hochprozentiger Ethanol destilliert. Aus diesem wird der beliebte "Bundaberg Rum", liebevoll "Bundy" genannt, gemischt und in riesigen Eichenfaessern ausgebaut. Das ganze Gelaende ist von einem abschreckenden 3m-Elektrozaun umgeben, schliesslich lagert hier Rum im Wert von AUS$ 1'500'000'000! Am Ende der Tour durften wir in der Bundybar verschiedene Rumvariationen sowie die ebenfalls beliebten Drafts degustieren...

Rohrzuckerfeld; Zuckerbaehnli



Markus' Gewinn von der Fuehrung, er konnte sich an den lateinischen Namen der Bierhefe erinnern



Zu Besuch beim Crocodile Hunter

Wer schon mal den uebereifrigen "Crocodile Hunter" Steve Irvin am TV mitverfolgt hat, kann sich sicher an den "crikey!" Draufgaenger erinnern. Wir zweifeln sein Showtalent an, wie er aber mit seiner Frau den Reptilienpark seines Vaters ausgebaut hat, laesst sich sehen. Auf dem weitlaeufigen Gelaende des "Australian Zoo" ist so ziemlich die ganze landlebende Wirbeltierwelt des Kontinents anzutreffen. Rote Kaenguruhs, Wallabies, Australische Truthaehne und Koalas laufen/haengen frei herum; friedliche Wombats, Emus, Echsenarten und kriegerische Helmkasuare wohnen in grosszuegigen Gehegen; Krokodile, Schlangen und frei fliegende Kakadus und Adler werden im Stadion (!) in Shows vorgefuehrt. Uns hat's gefallen, wir kauften uns aber trotzdem keine Steve-and-Tierry-Irvin-Puppen...

Langsam naeherten wir uns wieder Brisbane. In den Glasshouse Mountains etwas noerdlich der Stadt beobachten wir waehrend drei Stunden und doppelt so vielen Regenguessen, wie sich einige Junggesellen der Art "Graues Kaenguruh" um ein Weibchen bemuehten. O.K., wir sassen dabei auf der gedeckten Terrasse bei Kaffee und Muffins, das Stativ neben dem Tisch...

Die Kaenguruhs sind neugierig!; Wombat



Koala



Graue Kaenguruhs in den Glasshouse Mountains kurz vor der Paarung



Zurueck in Brisbane

Fast eine Woche wohnten wir wieder in Brisbane, diesmal im Zelt. Stunden verbrachten wir Zwecks Unterhaltung und Computersessions in der Tribal Galleries von Sarah und Marc. Am "Invasion Day" (so nennen die Aborigines den Nationalfeiertag "Australian Day") luden sie uns zu Barbecue und Uebernachtung ein - herzlichen Dank nochmals!

Bevor wir weiter gegen Sueden zogen, wandelten wir noch einen Tag durch den botanischen Garten von Brisbane. Hier erfuhren wir unter anderem von der Existenz eines Nadelbaumes (Bunia), deren kopfgrosse "Tannzapfen" locker 10kg schwer werden! Da fuer die Zapfen gerade Zeit war, von den stattlichen Baeumen zu fallen, war ein Teil des Wegnetzes gesperrt. Wir schauten uns die Baeume trotzdem an und promt rollte uns ein Monsterzapfen vor die Fuesse. Die baumnussgrossen Samen in den Zapfen waren bei den Aborigines sehr begehrt, auch wir nutzten die Gelegenheit, die schmackhaften "Riesenpistazien" zu geniessen.

Brisbane vom Botanischen Garten aus



Tropenhaus; in Australien beliebte Frangipani (heimisch in Suedamerika)



Buniazapfen



Von Sydney in die Blue Mountains

In drei Tagen reisten wir von Brisbane nach Sydney. Hier wollten wir die Faehre von Melbourne nach Tasmanien buchen. Schlussendlich wurde daraus ein Flug von Sydney nach Hobart. In einer Woche konnten wir einige Sehenswuerdigkeiten der Millionenstadt besichtigen: Opera House, Harbour Bridge, Aquarium, St. Mary's Cathedral, Queen Elisabeth Building und vieles mehr, dazwischen rumhaengen, Internet und weitere Annehmlichkeiten der Grossstadt. Etwas Ruhe fanden wir im Botanischen Garten der Stadt, wo sich scheinbar auch alle Flughunde der Gegend zurueckzogen. Tanjas Coucousine Nicole Hochuli wohnt seit Anfang 2006 in Sydney. Wir konnten es uns naetuerlich nicht entgehen lassen, sie dort zu treffen. Erschoepft vom Stadtbetrieb suchten wir nach all dem die Ruhe der Blue Mountains im Landesinnern und wurden fuer zwei Tage fuendig.

Oper und Harbour Bridge


Flughunde im Botanischen Garten; mit Tanjas Coucousine Nicole im Italienischen Viertel



Im Blue Mountain National Park

Die Blue Mountains tragen ihren Namen wegen des Dunstes, der die entfernteren Berge blaeulich erscheinen laesst. Er soll von Eukalyptusoelen stammen, die aus den Waeldern empor steigen. Die Orte und Strassen der Gegend liegen auf einem Hochplateau, dessen Raender oft senkrecht in breite Taeler abfallen. Die Hauptattraktion sind drei gewaltige Steinsaeulen bei Katoomba, die 300m ueber einer mehrere Kilometer breiten Talsohle thronen. Die "Three Sisters" sollen Aborigines-Toechter sein, die vom Vater zu Stein verwandelt wurden, um sie von den "falschen" Liebhabern fern zu halten. Steile Wege und Treppen fuehren an hohen Wasserfaellen entlang hinunter in den Eukalyptuswald. Unter Katoomba wurde bis vor einigen Jahrzehnten Kohle abgebaut. Das Gebiet um die alten Minen, wo wir nichts ahnend hinein spazierten, ist heute Teil der "Scenic World": Eine "Touristenfalle" mit Bordwalks, Seilbahn und der "steilsten Eisenbahn der Welt". Die Drahtseilbahn befoerderte frueher Kohle nach oben, heute Kohle bringende Touristen. Praktisch war's aber auch fuer uns...

Zurueck in Sydney goennten wir uns noch ein Bad am Bondi Beach, bevor wir fruehmorgens am 9. Februar das Australische Festland Richtung Tasmanien verliessen.

Die drei Schwestern; Ausschnitt der Katoomba Falls



Von Melbourne nach Singapur

Nach dem naturnahen, ruhigen Tasmanien folgte eine intensive Zeit mit drei Grossstaedten kurz hinter einander: Melbourne, Singapur und Kapstadt. Aber der Reihe nach: Melbourne erscheint Im Vergleich zu Sydney geradezu gemuetlich. Wir sahen die Stadt in der Ruhe vor dem Sturm: Wenige Tage nach unserer Weiterreise werden hier die Commonwealth Games losgehen. Deshalb wurde hier noch geflickt, da noch geputzt und dort noch renoviert. Auf dem Stadtfluss Yarra River waren bereits 36 Flosse vertaeut, auf denen je zwei Fische als kunstvolle, autogrosse Skulpturen dargestellt waren - Symbole fuer jedes Land des Commonwealth of Nations, vermutlich fuer die Eroeffnungszeremonie. Um die Fisch-Schiffe herum kurvten dutzende von Sportruderbooten der lokalen Studentengruppen und Ruderclubs.

Architektonisch ist die Stadt sehr vielfaeltig und beeindruckend: Von neugothischen Kathedralen, dem alten Bad oder der Victoria Station ueber spektakulaere Stadien (Telstra Dome) oder Bahnhoefe (Southern Cross Railway Station) bis zum postmodernen Federation Square und der Net Bridge staunten wir ueber viele Bauten.

Schliesslich sahen wir vom Flugzeug aus etwas wehmuetig die Olgas, den Uluru, farbige Salzseen und dann die Nordwestkueste Australiens 11'000 Meter unter uns durchziehen. Bald landen wir fuer drei Tage in Singapur . Wir werden wohl in Melbourne in ferner Zukunft unsere naechste Australienreise Richtung Westen beginnen. Nun wollen wir uns aber erst mal eingehend um Afrika kuemmern... See ya, mates!!!

P.S. Unsere Australienreise waere nicht halb so schoen gewesen ohne all die Menschen, die wir unterwegs getroffen und kennen gelernt haben. Merci fuer die schoenen Begegnungen!

Victoria Station; Circle Tram zum gratis Stadtrunden drehen...



Federation Square mit dem Australian Centre for the Moving Image; Shot Tower, heute ueberdacht (hier wurde fluessiges Blei im freien Fall zu runden Geschossen geformt)



"Net Bridge"; Skyline vom Suedufer aus