Botswana: Wasser, Wueste, Wilde Tiere

Nach zwei Monaten Namibia liess man uns am 20. Juli am Grenzposten Mohembo nur ungern ziehen: Nach den Ausreiseformalitaeten wollte ein Grenzpolizist unser Auto durchsuchen. Unsere Standartantwort lautet in diesen Faellen immer: "Aber gerne! Haben Sie Zeit?" Ausserdem weisen wir die Beamten ausdruecklich darauf hin, dass wir trotz ZA-Kleber am Auto und Kapstaedter Nummernschild keine Suedafrikaner seien (die weissen Suedafrikaner sind in vielen Nachbarlaendern aus historischen Gruenden nicht sehr beliebt). Nachdem Markus ihm sehr langsam, detailreich und liebevoll den Inhalt des Kaffeesets vorgefuehrt hatte (Kartonbox mit Thermosflasche inklusive Knopf-Verschlussmechanismus und Becher, ein weiterer Becher, zwei Sorten Kaffee (Koffjehuis, besonders fein!), Rooibos- und Blasentee, Zucker, ... pardon, wir wollten Euch hier keinesfalls langweilen), lies er die Sache auf sich beruhen. Schade, wir haetten ihm noch so viel mehr zu zeigen gehabt! Die Einreise nach Botswana verlief dann reibungslos.

Dem Okavango entlang reisten wir nach Maun mit Uebernachtungen im Shakawe Fishing Camp und dem Sepupa Swamp Stop (beide empfehlenswert). Beim Ersteren blickten wir gleich vor dem Zelt auf einen Seitenarm des Okavangos, hier nisten "White Fronted Bee Eaters" (eine Bienenfresserart) in der steilen Uferboeschung. Beim Letzteren buchten wir am Abend eine zweistuendige Bootsfahrt. Das Labyrinth aus ruhig fliessenden, von Papyrus und Schilf begrenzten Kanaelen ist selten von Inseln mit Baumbestaenden unterbrochen. Hier halten Afrikanische Fischadler Ausschau nach Beute. Am Ufer sonnen sich Nilkrokodile, und ab und zu grunzt in einem anderen Kanal, verborgen hinter einem Vorhang aus Pflanzen, ein Flusspferd. Wir hatten das grosse Glueck, die seltene und scheue Antilopenart Sitatunga zu sehen. Die Sitatungas sind ausgezeichnet ans Leben auf Schwimmteppichen angepasst: Sie besitzen stark verlaengerte, spreizbare Klauen, so dass sie sich ohne abzusinken recht flink auf den schwimmenden Pflanzenmatten in Feuchtgebieten fortbewegen koennen. Sie sind sogar in der Lage zu tauchen. Ihr muesst uns das einfach glauben, Fotos gibt's diesmal nicht, die Tiere waren zu flink.

Flusslandschaft am "Panhandle" des Okavangodeltas (bei Shakawe); White Fronted Bee Eater


Afrikanischer Fischadler; junges Nilkrokodil


Tanja mit Seerosenschmuck. Die unter Wasser reifenden Fruechte sind sehr reich an Oelen, werden von Mensch und Flusspferd geschaetzt und schmecken... seltsam.




Die Makgadikgadi Pans

Botswana ist bekannt fuer seine fantastischen Wildparks Moremi und Chobe. Um diese zu besuchen, soll man sich als Tourist auf das Buchungsbuero der Parks in Maun begeben. Dort erfuhren wir, dass nur noch an einem einzigen Tag im Juli ein Zeltplatz erhaeltlich sei, der ganze August sei ausgebucht. So buchten wir wenigstens diese eine Nacht vom 28. Juli und fuhren in der Zwischenzeit fuer zwei Naechte zu den Makgadikgadi Pans im Osten von Maun: Das Tal bei Xhumaga (Boteti River) erwies sich als erstaunlich wildreich, Gnus und Zebras sahen wir zu Hunderten, in der Nacht riefen die Loewen zu Tisch. Eigentliche Attraktion des Gebietes sind jedoch die hellgrauen Salzpfannen, die sich zum Teil ueber Dutzende von Kilometern erstrecken. Sie werden begrenzt von fast baumloser Grassavanne. Beim Abstecher in die Ntwetwe Pan am Ostrand des Makgadikgadi Pans Game Reserves stiessen wir auf eine seltsame Pflanze, die wir in Namibia erfolglos gesucht hatten: Die Hoodia gordonii. Die Pflanzen koennte man fuer eine Kakteenart halten, sie gehoert aber zu den Wolfsmilchgewaechsen. Die San ("Buschmaenner") nutzen die Pflanze als Appetithemmer. Heute wird sie hier wie in Namibia im grossen Stil illegal gesammelt, ausser Landes geschmuggelt und landet verarbeitet als teures Abmagerungsmittel in der ersten Welt. Bevor wir nach Maun zurueckkehrten, statteten wir den Baine's Baobabs in der Kudiakam Pan einen Besuch ab. Fuer uns waren es bis dahin die groessten Baeume dieser Art, eine majestaetische Gruppe von Holzveteranen am Rand einer Salzpfanne.

Faecherpalme (in Tswana: Mokolane); kleine Salzpfanne


Bluehende Hoodia gordonii; ein mittelgrosser Termitenhuegel


Steppenzebra (Burchell's Zebra); verschiedene Geier und Marabus am Boteti River


Die "Baines' Baobabs" in der Kudiakam Pan, benannt nach dem Maler eines Bildes dieser Baeume von 1862




Von Maun ueber und in das Okavangodelta

Etwas frueher als geplant trafen wir in Maun ein, und wir buchten spontan einen einstuendigen Rundflug ueber das Okavangodelta. Nur vom Flugzeug aus kann man die Groesse dieses Binnendeltas erfassen! Auf einer Flaeche von 22'000 km2 verdunstet und versickert das Wasser des Okavangos im Sand der Kalahari. Die praktisch unbewohnbare Wildnis ist ein Gewirr aus Kanaelen, Inseln und Suempfen, in dem Wildtiere und viele Pflanzen fast ungestoert leben koennen.

Zurueck in Maun trafen wir in der Stadt zufaellig auf das Britenpaar Kate und Jason, die wir fluechtig schon von Windhoek her kannten, und verabredeten uns zum Campieren beim sehr empfehlenswerten Sedia Hotel. Wir luden sie fuer die Nacht im Moremi Game Reserve auf "unseren" Zeltplatz ein, denn sie konnten keine Reservation mehr machen. Dies war der Start einer schoenen gemeinsamen Reisezeit mit den beiden! Als wir am fruehen Morgen des 28. Julis in den Park fuhren, war das Suedtor verlassen. Ebenso das Camp "3th Bridge". Zwei Tage spaeter beim Verlassen des Parks erfahren wir, dass das von uns gebuchte Camp seit Monaten (!!!) geschlossen sei... Wir wussten fortan, was vom hiesigen "Reservationssystem" zu halten ist, und verzichteten auf Buchungen.

Das Moremi Game Reserve ist landschaftlich sehr vielfaeltig. Flussabschnitte, Sumpfwiesen und Teiche liegen zwischen Waeldern mit Mopanebaeumen. Diese sind von der grossen Zahl Elefanten arg zerzaust. Wir sahen etwas weniger Wildtiere als erwartet, diese waren aber an Autos gewoehnt und liessen sich gut beobachten. Im Gegensatz zu den Parks in Suedafrika und Namibia gibt es hier keine Wildzaeune um die Campingplaetze. Waehrend dem ersten Nachtessen bei der 3th Bridge mussten wir mit Gebruell und brennenden Stoecken drei Tuepfelhyaenen verscheuchen, die sich immer wieder bis auf vier Schritte naeherten und mitessen wollten. Kaum waren wir schliesslich in unsere Dachzelte hoch geklettert, balgten sie sich direkt am Fuss der Leitern. Sie jaulten und "lachten" schauerlich. Von diesem Abend an bis Malawi gehoerten Wildtiere auf dem Campingplatz zum Naturerlebnis dazu. Mit Kate, Jason und der deutschen Familie Straub unternahmen wir am Tag danach eine gemuetliche Flussfahrt vom Camp Xakanaxa aus. Da in den zwei Tagen das Wild nicht sehr zahlreich war, beschlossen die Briten und wir, zum Savute Camp im Chobe National Park weiter zu reisen.

Das Okavangodelta aus der Luft


Tree Squirrel (Baumhoernchen); junger Leopard


Das Wasser geht erst langsam zurueck (unterwegs mit Kate und Jason); Flusslandschaft beim Camp Xakanaxa


Bei Xakanaxa: Nistender Marabu; Abend im Okavangodelta




Chobe National Park - Elefanten ohne Ende

Eine anstrengende Tagesfahrt fuehrte uns vom Camp Xakanaxa im Moremi Game Reserve zum Camp Savute im Chobe National Park, wo wir mit den Briten und Deutschen zwei Mal naechtigten. Wir fuhren durch eine unberuehrte Landschaft mit viel Wild, durch viel tiefen Sand und von Elefanten zerkraterten Feldwegen. Ein verwirrendes Pistennetz durchzieht bei Savute die offene oder verbuschte Savannenlandschaft, aus der ein paar Huegel aufragen. Ein GPS waere hier wie auch im Moremi Game Reserve praktisch gewesen. Dank aufmerksamem Beobachten des Kilometerstandes und einer guten Karte hatten wir uns aber nur ein paar Mal verfahren... Grosse Zebra- und Gnuherden ziehen durch die weite Landschaft und konzentrieren sich um die Wasserstellen, ganzjaehrig fliessende Fluesse gibt es keine. Bei starker Trockenheit kam es vor einigen Jahren mal vor, dass die Elefanten den WC- und Duschenblock des Camps komplett zerstoerten und die Wasserleitungen aus dem Boden rissen. Die neue Anlage ist nun von einem zweieinhalb Meter hohen Ringwall umgeben, den die Menschen durch ein Gittertor in einer schmalen Luecke betreten. Ein Elefant brachte uns dazu, nicht noch eine dritte Nacht im Camp zu verbringen. Viele Gaeste lassen leider Essen und Abfaelle ungesichert herumliegen, was Elefanten dazu bringt, ihr natuerliches Verhalten aufzugeben. Sie beginnen erst, ihr Futter auf Campingplaetzen zu sammeln. Irgendwann gehen sie dazu ueber, sich auch weggeschlossenes Essen aus Autos, Zelten und Anhaengern zu holen. Hier der Eintrag aus unserem Tagebuch vom 1. August 2006 mit unseren Erfahrungen.

Im Konvoi mit den Briten und den Deutschen nehmen wir am Mittag die tiefe Sandpiste Richtung Chobe Nord unter die Raeder. Gegen Abend machen wir im Nordteil des Parks noch einen Game Drive: Sehr viele Tiere grasen auf den Ebenen des Chobe Rivers - vielversprechend fuer die naechsten Tage, ebenso das Camp Ihaha mit den Bueffeln 50 Meter daneben.

Im Nordteil des Chobe National Parks verbrachten wir fuenf wunderschoene Tage, tags unterwegs bei den Tieren, abends zusammen mit den Briten und Deutschen im Camp Ihaha (bis auf die Zebras sind alle Aufnahmen unten aus diesem Parkteil). Der Park ist hier ausserordentlich wildreich und wohl einer der besten Plaetze im suedlichen Afrika, um Wildtiere zu sehen (jedenfalls fuer uns Normalsterbliche, die nicht 300$ + pro Nacht in exklusiven Lodges ausgeben koennen): Am Fuss einer sanften Huegellandschaft erstreckt sich gegen Norden die weite Ebene des Chobe Rivers. Der Fluss bildet hier die Grenze zu Namibia. Flussschlaufen umgrenzen weite Halbinseln, auf denen Grassavanne, Baumgruppen und Sumpfgebiete zu finden sind. Ein Paradies fuer Antilopen, hier grasen Impalas, Pukus, Red Lechwes, Gnus und selten Saebelantilopen. Wir trafen auf Bueffel in Herden zu ueber 1000 Tieren. Bei den Baeumen am Huegelfuss ueberblicken Pavian-Grossfamilien die Ebene und waermen sich genuesslich in der Morgensonne. Im Wald auf den Huegeln halten sich tagsueber die Elefanten auf, abends stroemen sie manchmal zu Hunderten auf die Ebene hinaus (bei etwa 400 hoerten wir auf zu schaetzen...). In Altarmen des Flusses und im Fluss selbst leben viele Flusspferde und Nilkrokodile, Schwaerme von Pelikanen und anderen Voegeln bevoelkern die Oberflaeche und das Ufergebiet. Dank den Huftieren sind Katzen mit etwas Glueck anzutreffen. Kate und Jason beobachteten sogar einen "Kill": Ein Warzenschwein rannte um die Mittagszeit Mitten in eine Gruppe Loewen, die mit ihm natuerlich kurzen Prozess machten. Wir schauten uns derweilen Bueffel an...

Burchell's Zebras suedlich von Savute; Weissrueckengeier (?) an totem Bueffel


Flusspferde


Der Chobe River; Saebelantilope


Pied Kingfisher (ein Eisvogel); Chacmas Paviane


Chacmas Paviane beim morgendlichen Sonnenbad


Bueffelherde


Elefanten (l. bei Savute, r. am Chobe River)


Elefanten in der Ebene am Chobe River


Elefanten in der Ebene am Chobe River



Als wir den Park verlassen und fuer die Uebernachtungen am Parktor bezahlen wollten, sagte der Angestellte, er koenne uns keine Permit ausstellen. Die Formulare seien ihm ausgegangen. Wir sollen einfach gehen, meinte er. Wir fragten nicht weiter nach, fuhren raus und sparten so etwa Fr. 250.-!!! Wie uns erging es in drei "formularlosen" Tagen noch Dutzenden von Gaesten, dem Park entgingen Tausende von Pulas an Einnahmen - so viel zum Buchungs- und Abrechnungssystem der Nationalparks in Botswana (wir beklagen uns aber ueberhaupt nicht!). Nach dem Parkaufenthalt schliefen wir eine Nacht in der Chobe Safari Lodge in Kasane, von der aus wir eine Flussfahrt in den Sonnenuntergang unternahmen. Ein gelungener Schlusspunkt von zehn Tagen in der Wildnis Botswanas! Mit der Wildnis endete auch unsere Zeit im Land. An der Tankstelle in Kasane fuellten wir noch guenstiges Benzin auf. Die Tankstelle war heillos ueberlastet wegen Dutzenden von Treibstofftouristen aus Sambia und Zimbabwe, die in Kleinlastern und Minibussen, vollgestopft mit Faessern und Kanistern den wertvollen Saft ins eigene Land brachten. In Kazungula brachte uns eine Faehre ueber den Zambezi River nach Sambia.