Elefantenbesuch im Camp Savute (Chobe N.P., Botswana)

Chobe N.P. (Savute bis Ihaha), 1. August 2006 [von Markus]

Um 04:15 werden wir von den Fressgeraeuschen eines Elefanten geweckt. Er zerpflueckt Buesche gleich hinter dem Landrover der Briten. Dann erforscht er deren Zelt durch betasten mit dem Ruessel. Wir sind hellwach, liegen auf dem Bauch und versuchen, in der bewoelkten, fast stockdunklen Nacht durch das Moskitonetz etwas zu erkennen. Ich sehe den Umriss des Baumes, neben dem wir campieren. Dann wird es von rechts her ploetzlich pechschwarz dunkel. Das Tier steht direkt vor unserer Leiter! Nur der rechte Stosszahn schimmert schwach aus dem kolossalen Schatten, keine zwei Armlaengen entfernt. Der linke Stosszahn ist vom Ruessel verdeckt, der jetzt unser Zelt abtastet. Jetzt oder nie: Ich halte die Hand ans Moskitonetz und spuere, wie der Ruessel auf der anderen Seite voruebergleitet. Die Atmung ist Null, der Puls auf 130! Nach einer endlosen halben Minute geht der Elefant zur Hinterseite des Zeltes und tastet es weiter ab. Noch ein kurzes Ruetteln an der Heckklappe, dann sind die Deutschen dran. Die Eltern Andreas und Heike sind besorgt, Nico [9 Jahre] haelt sich tapfer. Ich gebe ihnen Informationen ueber das, was wir erkennen koennen: "Jetzt sucht er euer Zelt nach Blaettern und Zweigen ab. Er findet nichts. Jetzt ist er bei den Kindern am Zelt. Jetzt laeuft er ums Auto auf die rechte Seite. Jetzt versucht er, an Aeste des Baumes heran zu kommen. Jetzt setzt er den rechten Vorderfuss auf die Motorhaube. Scheint nicht zu halten, er nimmt ihn wieder runter". Nach langen Minuten, nervoesen Kommentaren, herumgeschleuderten Stuehlen und Tischen und einem aufgerissenen und gefressenen Abfallsack geht das Tier endlich weiter, allerdings nur 30 Meter. Jason waere fast aus dem Zelt ins Auto geklettert [Dachzelt stuetzt auf "Kuhfaenger" auf, Auto laesst sich so mit offenem Zelt bewegen], um den Elefanten zu verjagen, als dieser den Fuss auf die Motorhaube setzte. An Schlaf ist nicht mehr zu denken. Wir verhalten uns bis 05:30 ruhig im Zelt und lauschen dem tiefen Brummen und Keuchen des Elefanten. Aus dem Zelt geklettert sehe ich per Handscheinwerfer, dass er sich 30 Meter weg hingelegt (!) hat, und befuerchte, dass er wegen dem Abfall verendet. Getaeuscht: Kaum sind alle auf (auch Nicos Schwester Nina [6 Jahre], die bis jetzt alles verschlafen hat und entsprechend enttaeuscht ist), kommt er zurueck ins Camp. Also wieder alle in Deckung. Er kratzt sich erst am Baum, dann am Landrover von Jason und Kate. Endlich geht er weiter. Wir packen schnell alles zusammen, jemand haelt "Elefantenwache" dabei. Der Tag kommt langsam. Wir bewundern die ueber 50 cm grossen Abdruecke um unsere Autos (Jason hat gemessen) und erfahren von anderen Leuten, dass das Tier bei einer amerikanischen Gruppe zwei Dachzelte angeknackt und ein Auto aufgebrochen hat, letzteres fuer eine Flasche Wasser. Wir hatten Glueck! Auf der Motorhaube der Deutschen war nur ein Bisschen Staub verschoben, dafuer die Scheibenwischer aufgestellt - unbeschadet! Das Tier muss wohl erschossen werden, sonst ist es eine Frage der Zeit, bis jemand verletzt oder der Sachschaden gross wird. Nichts wie weg aus Savute! [...] [Nachtrag: Einige Tage spaeter habe derselbe Elefant einen Camping-Autoanhaenger Zwecks Futtersuche komplett zerlegt]


Riesiger Elefantenbulle direkt vor dem Dachzelt (es war verdammt dunkel... ;-))



Zurueck