Kanadas Osten:

Am Dienstag, 16. August verliessen wir die Schweiz via Frankfurt in Richtung Montral. Begleitet wurden wir vom "Stalder-Grosi" (Tanjas Grossmutter), die in Quebec ihren Bruder Rene Furer besucht. Er ist 1977 mit seiner Familie nach Acton Vale (1 1/2 h oestlich von Montral) ausgewandert und hat dort eine Farm uebernommen. Wir verbrachten zwei gemuetliche Tage auf "seiner" Farm in Acton Vale die nun von den beiden Soehnen gefuehrt wird. Hier liessen wir uns die Eigenheiten der kanadischen Milchproduktion erklaeren. Ca. 70 Milchkuehe produzieren auf dieser "eher kleinen Farm" rund 1'500 Liter Milch taeglich. Sie werden unter anderem mit eigenem transgenem Mais ernaehrt.

Mit unserem Mietauto besuchten wir auch noch eine weitere, befreundete Farmerfamilie, die "nicht weit" von Acton Vale liegt (nicht weit sind hier etwa 80 Km...). Die Hauptattraktion dieser Farm besteht aus 9 Berner Sennenhunden, die Besucher aeusserst stuermisch begruessen, besonders, wenn sie diese noch nicht kennen...

Nach der Aklimatisationszeit in Acton Vale verliessen wir die Furer-Farm am Freitag in Richtung Niagara Falls und blieben drei Tage auf einem Campingplatz. Am Sonntagabend, nach zwei Tagen Anreise, genossen wir ein spektakulaeres Feuerwerk ueber den imposanten Faellen.

Die weiteren Tage verbrachten wir damit, die oertliche Tourismusindustrie (der Begriff trifft wirklich zu) zu unterstuetzen. IMAX, der Aussichtsturm und der Ausflug zur Besucherplatform standen auf dem Programm. Auch die Reise dem Fluss entlang abwaerts ist gepraegt von touristischen Attraktionen und gigantischen Kraftwerksanlagen sowohl auf kanadischer als auch US-amerikanischer Seite. Wer's lieber naturbelassen und ruhig hat, kommt auf dieser Strecke eindeutig zu kurz. Der kleine Naturpark Niagara Glenn, der Besucher auf richtigen "alpinen" Wanderwegen in die wilde, bewaldete Schlucht hinunterfuehrt, wird leider von hoechstmotorisierten Schnellbooten auf dem Fluss mit Megafon-geruesteten Animateuren drauf beschallt. Sind Diese kurz weg, hoert man die unablaessig kreisenden Helikopter der Rundfluggesellschaften. Wenn man den Laerm nicht scheut, kann man aber diese Landschaften rund um die Faelle durchaus geniessen.

Am Suedufer des Lake Ontario fanden wir dann endlich einen Campingplatz, der nicht gerade an einer Eisenbahnlihnie (Gueterzuege mit Dieselloks vor allem Nachts...) oder einem Highway liegt, und genossen etwas Ruhe und das klare Badewasser des Sees.

Die naechsten drei Tage verbrachten wir in der multikulturellen Grossstadt Toronto. Der Besuch des hoechsten frei stehenden Gebaeudes der Welt, des CN-Towers, war natuerlich ein Muss, und die Aussicht vom beeindruckenden Bauwerk wahrlich ueberwaeltigend! Daneben gibt es viele kulturelle Highlights in Museen oder auf der Strasse zu bestaunen. Beim Besuch der Toronto Islands bietet sich die markante Skyline der Stadt mit dem Tower, dem Skydome (riesiges Sportstadion mit Schiebedach) und den Wolkenkratzern in schoenster Weise dar.

Nachdem wir Tanjas Grosi von Acton Vale nach Montreal zum Flughafen gebracht hatten, besichtigten wir natuerlich auch diese Stadt noch eingehend. Uns Biologen zog's natuerlich zuerst auf den Mont Royal, einem bewaldeten Huegel im Herzen der Stadt, und am Tag darauf zum Botanischen Garten mit dem Insectarium, sowie zum Biodome beim Olympiastadion. Dort werden verschiedene Oekosysteme aehnlich wie die Zuercher Masoalahalle unter Dach dargestellt, so ein Suedamerikanischer Regenwald oder das Gebiet vom St. Lorenzgolf. Dieser war denn auch, wie im 2004, unser naechstes Ziel.

Nach drei Stunden Busfahrt erreichten wir Quebec (die Stadt), betrieben etwas Stadtbummelei und verbrachten eine Nacht in der Jugendherrberge im Viererschlag. Quebec war nur Zwischenstation auf der Reise nach St-Anne de Portneuf am Nordufer des St. Lorenz-Fjordes, wo wir, wie im 2004, wieder Wale beobachten wollten. Die Schweizer Dani Zbinden, Lucia Di Iorio und ihre aufgestellte Crew arbeiten dort seit Jahren hauptschlich mit grossen Bartenwalen wie Blauwal und Finnwal (Walforschung im St. Lorenzstrom). Vielen herzlichen Dank an dieser Stelle an alle Meriscoepler fuer die herzliche, zuvorkommende Betreuung von uns Gaesten! Wir hatten dank Meriscope bereits im 2004 faszinierende Begegnungen mit den riesigen Meeressaeugern (obere Reihe: Finnwale; unten: Blauwale beim Fressen an der Oberflaeche):

Der Sonntagmorgen (4.9.05) in Quebec hielt fuer uns aber erst mal eine Ueberraschung parat: Der Buschauffeur teilte uns mit, dass er uns nicht nach St-Anne de Portneuf bringen koenne, weil die Niederschlaege von Hurrikanrest Katrina, die am Mittwoch ueber Quebec zogen, die Strasse weggespuelt haben. Wir schafften es aber in fuenf Stunden immerhin bis Les Escoumins. Gluecklicherweise waren die Reparaturen schon so weit, dass wir per Taxi das Ziel doch noch erreichten.

Im Zeltcamp vom Meriscope richteten wir es uns gemuetlich ein (im "Honeymoon-zweierzelt"...) und sahen schon auf der ersten Ausfahrt Blauwale und Belugas. Leider wurde das Wetter in der Wochenmitte stuermisch und erlaubte zwei Tage keine Ausfahrten mehr, dafuer sahen wir auf einer Kanutour im Hinterland Baerenspuren und Biberbauten. Auch halfen wir beim Zusammenbau eines Beluga-Skelettes, das Tier war 2004 verendet und die Knochen seither in vielen Arbeitsschritten freigelegt und konserviert worden.

Nach zwei Tagen ohne Wale konnten wir donnerstags und freitags endlich wieder ausfahren. Und diese Ausfahrten boten wirklich viele whalewatcherische Leckerbissen: Im September sind die beiden grossen Furchenwalarten Blauwal und Finnwal vermehrt paarweise anzutreffen. Neben einem Finnwal- begegneten uns an beiden Tagen auch Blauwalpaare. Beim einen Paar hob das Maennchen, das meist leicht nach hinten versetzt neben dem Weibchen herschwimmt, nach fast jeder Atemserie beim abtauchen die Fluke. Der Gaensehautfaktor ist recht hoch, wenn die Fluke mit einer Spannweite von einem Kleinflugzeug zwanzig Meter neben dem Gummiboot aus dem Wasser ragt und fast spritzerlos im Wasser verschwindet... Hier einige Bilder von diesem Jahr (oben links: Lucia "Lu" di Iorio (mit Schreibblock); Blauwale):

Die Abschlussfahrt fand schliesslich am Freitagabend nach Sonnenuntergang statt. Nach dem Eindunkeln fanden wir uns mitten im St. Lorenzstrom unter dem glasklaren Sternenhimmel wieder, an dem ab und zu eine Sternschnuppe aufflammte. Knapp ueber dem Horizont stand tieforange die zunehmende Mondsichel. Und im schwachen Schimmern des Nordlichtes konnte man die beiden Blauwale erahnen, die um uns herum mit lautem Rauschen Krill an der Wasseroberflaeche frassen.

A la prochaine, Meriscope, St. Laurent et les baleines!