Die Suedinsel Neuseelands: Unsere Route

Lange bevor man von Wellington her kommend das Festland der Suedinsel erreicht, gleitet man mit der Faehre zwischen subtropisch-gruen bewachsenen Haengen durch den Queen Charlotte Sound nach Picton. Wir erlebten dies am 25. November 2005. Der Verhangene Himmel und die schlechten Prognosen fuer die ganze Region der Marlborough Sounds vertrieb uns gleich am naechsten Morgen weit nach Westen... aber hier zuerst mal eine Auflistung der Destinationen auf der Suedinsel, die wir in 23 Tagen bereisten:

Picton (Marlborough Sounds) - Nelson - Abel Tasman National Park - Cape Farewell - Nelson - D'Urville Island (Marlborough Sounds) - Kaikoura - Westkueste (Westport - Haast) - Dunedin - Christchurch


Abel Tasman National Park - Straende und Dschungel

Im gemuetlichen Staedchen Nelson besorgten wir uns die Camping- Bewilligungen fuer den wohl bekanntesten Nationalpark Neuseelands. Ueber die kurvenreiche Strecke durch einen Abschnitt der Tasman Mountains und einige Kilometer Schotterpiste erreichten wir den riesigen Campingplatz in Totaranui. Er fasst in der Hochsaison weit ueber 1000 Personen, wir sahen aber bloss etwa ein Dutzend Camper und Zelte... gemuetlich! Waehrend drei Naechten im Park erwanderten wir den noerdlichen Abschnitt des Abel Tasman Coastal Walkways, der uns durch dichten Dschungel und lichte Manukawaelder fuehrte. Der Weg fuehrt immer wieder an Straende oder durch Furten, so dass man die Wanderung den Gezeiten anpassen muss. Sind die Furten mal durchquert, kann man an den wenig bevoelkerten Straenden nach Herzenslust verweilen und dabei mit etwas Glueck erst noch die lokalen Strandvoegel und Seehunde beobachten.

Kiwiplantagen suedlich des Nationalparks; Felsformationen am Anapai Beach


Typischer Able Tasman Strand (Tonga Bay); Furt durch Awaroa Bay


Baumfarne statt Palmen...




Golden Bay und Cape Farewell - Duenenmeer und Felsbogen

Hier ein NASA-Bild der Gegend, unten rechts ist der Abel Tasman National Park noch angeschnitten. Der lange Sandstrand der Golden Bay geht nahtlos in jenen des Farewell Spits ueber. Dieser ist eine 30 Kilometer lange Landzunge aus Sand, der von der Westkueste stammt. Durch Meeresstroemungen wird der Sand der Kueste entlang nach Norden transportiert und hier abgelagert. Dieser Prozess ist immer noch in Gang. Auf der von der Stroemung abgewandten Suedseite hat sich eine seichte Gezeitenzone gebildet, ein Paradies fuer Wattvoegel und tausende schwarzer Schwaene, aber ab und zu ein Alptraum fuer Wale. Diese stranden im flachen Wasser regelmaessig, zum letzten mal am 21. Dezember 2005.

Als Wanderer kann man auf der Suedseite auf einer mehreren Kilometer langen Runde dem Sued- und Nordstrand des Farewell Spits entlang gehen und dabei das Duenenmeer der Landzunge durchqueren. Wenige Kilometer oestlich dieses grossen Sandkastens und des Cape Farewell sieht die Kueste komplett anders aus: Die Wellen haben am Wharariki Beach das Kuestengestein zu ueber einem Dutzend zum Teil riesiger Felsboegen gestaltet.

Duenenmeer am Farewell Spit


Archway Islands mit Felsbogen am Wharariki Beach




Marlborough Sounds, D' Urville Island - Opossumfrei

Die im 19. Jahrhundert von Australien Zwecks Pelztierzucht eingeschleppten Opossums (engl. "Possums") richten in Neuseeland erhebliche Schaeden an der Vegetation an. Angeblich fressen die etwa 70 Millionen Opossums in Neuseeland pro Nacht 21'000 Tonnen Pflanzenmaterial. Ausserdem vergreifen sie sich an Eiern und Jungvoegel seltener Voegel wie den Kiwis, was zu deren Niedergang beitraegt. Opossums und eingefuehrte Raubtiere wie Marderartige werden in den Naturschutzgebieten massiv mit Fallen und Giftkoeder bekaempft. Aber eben nur dort... Als wir noch an der Golden Bay von einem Neuseelaender erfuhren, es gaebe eine opossumfreie Insel in den Marlborough Sounds, fuhren wir kurz entschlossen wieder dort hin zurueck. Wir wollten wissen, wie ein opossumfreier Wald aussieht!

Nach ueber 40 Kilometer Schotterstrasse erreichten wir das winzige Doerfchen French Pass, von wo uns ein Wassertaxi zum D' Urville Island Wilderness Ressort brachte (nach einem Monat im Zelt goennten wir uns wieder mal was...). Die ca. 1800 Hektaren grosse Insel wird von etwa 40 Personen permanent bewohnt, die Westseite wird als Schaf- und Rinderweide genutzt, die Ostseite erholt sich seit einigen Jahrzehnten von diesem Schicksal, es sind hier sogar noch alte Baumbestaende vorhanden. Das Ressort (natuerlich an der Ostseite) gilt unter den Kiwis als Geheimtip fuer Wildniswanderungen und Fischereiausfluege (also nicht weitersagen bitte!). Tatsaechlich trafen wir nebst wenigen Neuseelaendern "nur" auf das pensionierte Britenpaar Monica und Robin, die Nachbarn in unserem Strandbungalow. Mit Hilfe von neuseelaendischem Chardonnay (Merci!) durften wir von den passionierten Ornithologen und Naturliebhabern viel lernen. Wir buchten eine weitere Nacht und erwanderten die 700 Hoehenmeter des Inselkammes, ohne einem Menschen zu begegnen. Ohne Opossums ist der Wald ungewoehnlich dicht und gruen, die Bodenvegetation wird von - was sonst - verschiedenen Farnen dominiert. Einen Weg gibt es noch nicht ueberall, man folgt zeitweise bloss den mit gruenen (!) Farbklecksen markierten Baeumen durch den Dschungel.

Die Gluehwuermchen, die wir bereits auf der Nordinsel in Hoehlen angetroffen hatten, gibt es auch auf D'Urville Island. Hier besiedeln sie die Waende eines Wasserfalls 10 Minuten vom Ressort weg. Wir stolperten an beiden Abenden dort hin, um die 2136 Tierchen (vielleicht sind seither zwei gestorben) leuchten zu sehen.

Aussicht auf die Bucht mit dem Ressort (unten rechts); Aussicht vom Restaurant


Gluehwuermchen (Arachnocampa luminosa) mit klebrigen Fangfaeden (Leimtropfen sichtbar), um kleine Fluginsekten zu erbeuten.




Kaikoura - Albatrosse live

Wie schon in Island (2003), Quebec und Kalifornien wollten wir auch an der Ostkueste der Suedinsel Neuseelands Wale beobachten gehen. Da die Preise fuer dieses Unterfangen hier aber 30 bis 50% hoeher sind als in den anderen Laendern, entschlossen wir uns fuer eine erschwingliche Albatross-Beobachtungstour. Am Samichlaustag 2005 fuhren wir um sechs Uhr morgens aufs Meer hinaus. Kaum landete der Korb mit gefrorenen Fischabfaellen hinter uns im Wasser, waren wir von erstaunlich wenigen Moeven und von erstaunlich vielen grossen Seevoegeln umgeben: Verschiedenste Albatrosse, Petrels und verschiedene Shearwater (einzelne Arten koennen Interessierte unter obigem Link betrachten - falls wir was falsch angeschrieben haben, lasst es uns bitte wissen). Insgesamt sahen wir 15 Seevogelarten. Auch ein Koenigsalbatross zeigte uns beim majestaetischen Vorbeisegeln seine drei Meter Fluegelspannweite. Als Zugabe sahen wir noch Seeloewen, einen Mondfisch und einen Kilometer entfernt einen abtauchenden Pottwal, und dies alles unter kitschig beleuchteten Morgenwolken.

Man kann sich ueber Touranbieter streiten, die mit Koeder Wildtiere Zwecks Beobachtung anlocken. Bedenkt man aber, dass um Neuseeland Hunderte von Fischereibooten unterwegs sind, die mit Fischabfaellen die Voegel ebenso anlocken und sie zudem mit Leinen, Netzen und Hacken gefaehrden, dann sind die Beobachtungstouren mit ihrem informativen Wert sicher vertretbar.

Gibsons Wanderalbatross; Salvins Albatross


Northern Giant Petrel; Koederblock fuer die Seevoegel


Red-billed Gull




Von Westport nach Haast - Felsenkueste, Dschungel und Gletscher

Noch am selben Tag wie die Albatrosstour fuhren wir quer durch die Suedinsel an die Westkueste, genauer nach Westport. Unterwegs quert man die Suedalpen und somit verschiedene Vegetationszonen. Im Osten der Insel herrscht eher trockenes Klima, hier wird intensiv Weidehaltung und Holzwirtschaft betrieben. In einigen Forest Parks in hoeheren Lagen konnten wir aber noch urspruengliche Suedbuchenwaelder durchfahren. Naehert man sich im Westen der Tasmanischen See, werden die Waelder dichter, die Farne auffaelliger, erste Palmen tauchen auf, und schliesslich ziert subtropischer Regenwald die Landschaften entlang der Westkueste.

Einige Kilometer ausserhalb von Westport, am Cape Foulwind, schauten wir am naechsten Morgen den Neuseeland-Pelzrobben beim Robben und Schlafen zu. Muetter saeugten Jungtiere, einige Halbstarke planschten in den wilden Wellen und zwei Bullen lieferten sich mehrere Schaukaempfe - fuer uns angefressene Zoologen natuerlich genau das richtige, um einen halben Tag dort zu verbringen. Ausserdem trieben sich auf dem Parkplatz "Wekas" rum, flugunfaehige Bodenbrueter, die mit den eingeschleppten Raubtieren aber besser klar kommen als die Kiwiarten und so noch nicht zum Aussterben verdammt sind. Markus pirschte sich mit grosser Linse, Stativ und Sorgfalt an, bis uns gewahr wurde, dass einem die Voegel aus der Hand fressen und die toten Insekten von den Stossstangen picken...

King of the Seals; Weka


Die Pancake Rocks gehoeren zum Pflichtprogramm der Neuseelandreisenden. Die stetige Brandung formt hier den in duennen Schichten abgelagerten Sandstein zu einem Labyrint aus Tuermchen und Gaengen. Aus einigen nach oben offenen Hoehlen ('Blowholes") spritzt bei Flut und genuegend Wellengang die Gischt meterhoch in die Luft. Waehrend die meisten Reisenden nach einer halben Stunde Pancake Rocks weiterfahren, erforschten wir noch die wenige Hundert Meter daneben gelegene Hoehle und tauchten fuer einige Stunden in den wunderschoenen, Palmen- und Farnreichen Kuestenwald ein.

Pancake Rocks; Regenwald der Westkueste


Wie es sich fuer die Westkueste mit all dem Regenwald gehoert, wurden wir fuer eineinhalb Tage so richtig von oben eingeweicht. Nur bei diesem Wetter stellt sich beim Wandern durch die exotische Pflanzenwelt das richtige "Regenwald-feeling" ein :-) Wir waren trotzdem froh, als wir in Franz Josef (so heisst die Ortschaft zum gleichnamigen Gletscher) eintrafen und die Sonne zurueckkehrte. Waehrend alle 10 Minuten ein Hubschrauber Gaeste zum und vom Gletscher flog, waehlten wir fuer die 1000 Hoehenmeter auf den "Alex Knob" den klassischen Weg. Dafuer genossen wir die Aussicht auf den Franz Josef Gletscher deutlich laenger als die Heli-Passagiere. Gletscher ist Gletscher, koennten wir Schweizer sagen, aber wenn man aus einem Farn- und Palmenwald heraus die Eiszunge und den Firnschnee betrachten kann, ist das schon ganz speziell.

Franz Josef Gletscher; Suedalpenpanorama am Mathison Lake mit Mt Cook und Mt Tasman (v.l.)


Nach einem vergeblichen Versuch, am einsamen Jackson Head die Fjordland Crested Penguins anzutreffen, verliessen wir am 12. Dezember 2005 ueber den Haast Pass die Westkueste, nicht ohne vorher nochmals ausgiebig den Duft des Regenwaldes einzusaugen. Wir werden im Osten der Insel keinen solchen Wald mehr antreffen.



Von Dunedin nach Christchurch - Pinguine und andere Voegel

Die gemuetliche Kuestenstadt Dunedin ("Daniiden") liegt malerisch an einer fjordartigen Bucht, die auf der Suedseite von der Otago Peninsula abgetrennt wird. Auf dieser verbrachten wir auch die Nacht, nachdem wir zwei ornithologische Highlights besucht hatten:

Auf privater Basis wurden seit 1984 wurden auf einem Stueck Land an der Kueste die noch wenigen bruetenden Gelbaugen-Pinguine unter die Fittiche genommen. Mit total 5000 bis 6000 Individuen gehoeren sie zu den seltensten Pinguinarten der Welt. Unterstuetzt werden die Tiere hier zum Beispiel durch Bepflanzung mit urspruenglicher Vegetation als Sicht- und Wetterschutz beim Brueten und durch Bekaempfung von Raubtieren im Areal. Die Besitzer haben auch ein ausgedehntes, mit Tarnnetzen ueberdachtes Grabensystem angelegt, das verschiedene Beobachtugnsstaende verbindet. Die Voegel sind sich die Gegenwart leise sprechender Touristen gewohnt und lassen sich von sehr nahe beobachten. Die Anlage wird Penguin Place genannt. Wir hatten Glueck und erlebten am Nachmittag "die ganze Story", wie sich eine Fuehrerin ausdrueckte: Der eine Partner eines Brutpaares kehrt zum Nest zurueck und wird von den beiden Jungvoegel und dem anderen Partner stuermisch begruesst. Er wuergt fuer die Jungen die Beute der vergangenen Stunden hoch, um sie zu fuettern (liebe Kinder, probiert das nicht zu Hause!). Der andere Partner ist am naechsten Tag mit der Futtersuche dran. Einen anderen Pinguin konnten wir tatsaechlich aus naechster Naehe an uns vorbei Richtung Meer spazieren sehen - nicht ohne sich vorher noch ausgiebig im Suesswasserteich zu waschen.

Am aeussersten Punkt der Halbinsel, am Taiaroa Head, liegt die weltweit einzige Festlandkolonie von Koenigsalbatrossen. Sie ist hermetisch eingezaeunt, da sich noch Fernmeldeanlagen an diesem Ort befinden. Ein Besucherzentrum fuehrt in das geheimnisvolle Leben der Koenigsalbatrosse ein, danach fuehrt ein Leiter die Gaeste zu einem Beobachtungsstand mit (leider fuer Fotografen) getoenten Scheiben. Von dort konnten wir wenige bruetende und balzende Tiere beobachten.

Gelbaugenpinguin-Familie; Gelbaugenpinguin auf dem Weg zum Meer


Getarnter Beobachtungsgraben; balzende Koenigsalbatrosse


Noerdlich von Dunedin hat die Brandung seltsame Felsformationen aus dem Sandstein befreit: Grosse, fast perfekte Steinkugeln. Da die Erklaerungsversuche auf dem Internet meist etwas schwammig sind, lassen wir nur die Bilder sprechen...

Moeraki Boulders


Oamaru ist eine weitere Pinguinhauptstadt Neuseelands. Auch hier brueten die Gelbaugenpinguine, die wir hier von einer erhoehten Aussichtsplattform beim nach Hause Kommen ertappten. Bekannt ist Oamaru aber fuer die Blue Penguins, der deutsche Name "Zwergpinguin" ist ebenso zutreffend. Sie stellen mit einer Stehgroesse von etwa 25cm die kleinste Pinguinart dar. Um Gelder fuer den Schutz der Nistplaetze aufzutreiben, wurde neben dem Hafen der Stadt ein kleines Besucherzentrum und eine Tribuene erstellt. In der Daemmerung konnten wir so auf der Tribuene sitzend den gegen 100 von der Jagd im Meer zurueckkehrenden Pinguinen zusehen. Gruppenweise ueberqueren die kleinen Kerlchen hastig den Uferweg zu den Dutzenden von Nisthoehlen im Gebuesch. Die meisten Nisthoelen hier sind kuenstlich und lassen sich Zwecks Reinigung, Bestandeserhebungen und Markierung der Tiere fuer Wanderungsstudien oeffnen. Bis spaet in die Nacht unterhielten wir uns mit einem oertlichen Biologen. Auf dem Weg zum Campingplatz ertappten wir noch zwei Spaetheimkehrer (Pinguine), die im Hafen um die Haeuser schlichen...

Heimkehrender Gelbaugenpinguin; Little Blue Penguins


So, wir haben Christchurch erreicht! Bevor wir am 18. Dezember 2005 das faszinierende Neuseeland mit seinen exotischen Tieren und Pflanzen in Richtung Australien verliessen, genossen wir wieder mal die Vorzuege des Stadtlebens, d.h. in erster Linie wieder mal ein richtiges Bett und ein Dach ueber dem Kopf, Internet, gute Restaurants und Kinos. Wann sind wir wohl das naechste Mal hier?

Cathedral Square im Stadtzentrum; New Regent Street