Von Livingstone zum Kafue National Park

Per Faehre reisten wir ueber den Zambezi River bei Kazungula nach Sambia ein. Eine Stunde Fahrt brachte uns am Abend zum gemuetlichen, gut eingerichteten Jollyboys Backpackers in Livingstone, wo wir gleich mal fuenf Tage haengen blieben. Hier lernten wir auch Sue und Pete kennen, mit denen wir uns nochmals fuer einen Abend im Kafue National Park verabredeten. Livingstone beherbergt eines der Weltnaturwunder (und -erbe): Die Victoria Falls. Ueber eine 1200 Meter breite Felskante donnert der Zambezi River fast 100 Meter tief in eine Schlucht hinunter. Der Fluss bildet hier die Grenze zu Simbabwe. Wir bestaunten die Faelle bei Tag und bei Vollmond von der Sambia-Seite her. Simbabwe sparen wir uns auf fuer spaeter, wenn die politischen Verhaeltnisse dort hoffentlich wieder besser sind.

Auf der Faehre von Botswana nach Sambia (Kazungula); die Victoria Falls


Die Victoria Falls in der Morgensonne und bei Vollmond


Mit frischem Proviant, sauberer Waesche und Trinkwasser holperten wir dem Suedeingang des Kafue National Parks zu. In der Nacht vor dem Tor bakten wir noch frisches Brot, am anderen Tag schlugen wir uns zu den Nanzhila Plains und dem entsprechenden Camp durch. Am Tor zeichneten wir detailreich die Wege und Kilometerangaben von der Karte des Wildhueters ab, die Kopien fuer Besucher sind laengst ausgegangen. Der Hauptweg wird wenig unterhalten. Viele Pisten, die unsere Karte anzeigt, sind zur Unkenntlich- und passierbarkeit zugewachsen. Wir treffen unterwegs auf die allgegenwaertigen Impalas, sehen aber auch Lichtensteins Hartebeest, eine der seltensten Antilopenarten im suedlichen Afrika. Das Wild ist hier sehr scheu und rar (ausser die Tausenden von Tse-Tse-Fliegen, die uns oft zum Schliessen aller Fenster zwangen). In den Tagen im Park erfahren wir die Gruende: Wilderei ist hier nach wie vor ein grosses Problem, besonders im Suedteil. Die Tiere verhalten sich scheu oder, wie die Elefanten im Nordteil, aggressiv gegenueber Autos und Menschen. Die Wilderer entfachen zudem Grasbraende, um eine bessere Sicht auf ihre Beute und auf die fuer sie gefaehrlichen Loewen und Wildhueter zu haben. Wildhueter selbst legen Braende, um im sonst hohen Gras nicht in Hinterhalte der Wilderer zu geraten - es tobt ein regelrechter Krieg um das Wild zwischen Widerern und Wildhuetern, regelmaessig mit Toten! Dann legen angeblich auch Safariunternehmer Feuer, damit die Kunden die Tiere besser sehen koennen. Unmittelbar nach dem Feuer sind natuerlich das Futter und somit die Grasfresser wie auch deren Raubtiere erst mal weg, was wir leider in weiten Teilen des Parks beobachten mussten. Erst Wochen spaeter, wenn frisches Gras spriesst, kehren die Tiere zurueck. Grasbraende gehoeren zu den natuerlichen Stoerungen in dieser Savannenlandschaft. Durch den Einfluss der Menschen brennt es hier aber viel zu haeufig, das Wild weicht grossraeumig aus. Oft werden die Feuer auch noch zu spaet nach der Regensaison entfacht. Bei spaeten Braenden ist die Vegetation zu trocken. Die Braende werden so heiss, dass nicht nur das duerre Gras, sondern auch Baeume und Buesche zerstoert werden. Wissenschafter erarbeiten nun im Park ein dem Oekosystem angemessenes "Feuermanagement". Dies wird nur erfolgreich sein bei einer gleichzeitigen Intensivierung im Kampf gegen Wilderei und unkontrollierter Brandstiftung.

Auch im Nordteil in den Busanga Plains fuhren wir durch endlose, abgebrannte Flaechen. Statt Tausende von Lechwe-Antilopen und anderen Tieren (wie es die Reisebuecher versprechen) sahen wir ein paar zerstreute Gruppen von Gnus und Zebras, die auf den ersten frischen Graesern herumkauten - ein trauriges Bild in der brandgeschwaerzten Landschaft. Immerhin, um das Lufupa Camp herum schien die Natur noch in Ordnung zu sein: Am Kafue River sonnten sich Krokodile und Flusspferde, Huftiere gab es oft zu sehen und eine Loewin verhielt sich als Model kooperativ.

Frisch aus der Glut: Endlich richtiges Brot!; Strasse zum Kafue National Park (Suedteil)


Unterwegs im Kafue National Park...


Ground Hornbill ("Boden-Nashornvoegel", bis 4 kg) jagen Insekten, Reptilien und Nager, die vor dem Feuer fluechten; frisches Gras nach Grasfeuer


Webervogelnester; der Itezhi-Tezhi-Stausee im Suedteil des Kafue National Parks


Loewin in der Naehe des Lufupa Camps




Kanutour auf dem Zambezi River

In einem Tag fuhren wir vom Lufupa Camp in die Hauptstadt des Landes. Sehr spontan entschieden wir am zweiten Tag unseres Aufenthaltes in Lusaka, auf dem Zambezi River eine viertaegige Kanutour zu unternehmen. Das Unternehmen Vundu Adventures organisierte fuer uns ebenso spontan das ganze Material und den Tourfuehrer Victor fuer den darauf folgenden Mittag. Die Tour startete bei der Gwabe Lodge bei Chirundu und folgte auf den ersten vier Kilometern dem Kafue River. Dieser muendet in den mehrere Hundert Meter breiten Zambezi River. In der fast unberuehrten Flusslandschaft legten wir ueber 70 Kilometer im Kanu zurueck und campierten drei mal auf Flussinseln - Inseln waren angesagt, weil es in der Umgebung Loewen und Leoparden hat. Um Flusspferde herum machte Victor mit uns immer einen grossen Bogen. Die Tiere ergreifen in der Regel die Flucht, wenn sich Menschen naehern. Haben sie sich aber einmal zum Angriff entschlossen, sollte man nicht in einem kleinen Boot und in ihrem Element sitzen. Die Fischer vom Zambezi tun aber genau das: Sie sind nachts in ihren Einbaeumen auf dem Fluss unterwegs, und immer wieder kommt es zu Unfaellen mit den Tieren. Flusspferde gelten als die gefaehrlichsten Wildtiere Afrikas, entsprechend hielten wir Distanz. Sehr nahe kamen wir hingegen an Elefanten heran. Stehen die Tiere am Ufer, kann man sich ihnen im Kanu gut naehern. Sie springen zum Angriff nicht ins Wasser, wie uns Victor glaubhaft versicherte. Einige junge Elefantenbullen drohten eindruecklich keine Kanulaenge vor uns am Ufer. Weitere Hoehepunkte waren die seltenen Samango Monkeys, ab und zu mal ein Krokodil sowie die Vielfalt an Wasservoegel. Und natuerlich die unheimlich ruhige, entspannende Art des Reisens auf dem gemaechlich fliessenden Strom, links vorne die Bergzuege des Lower Zambezi National Parks von Sambia, rechts die Uferzone des Mana Pools National Parks in Simbabwe. Victor erklaerte uns viel ueber die Natur des Gebietes und verwoehnte uns bei der Mittagsrast und am Abend jeweils mit einfacher, koestlicher "Buschkueche". Wir lernten von ihm in interessanten Gespraechen auch viel ueber die Kultur der Tongas (seiner Volksgruppe).

Unmittelbar vor der Grenze zum Lower Zambezi Naional Park wasserten wir die Boote aus und wurden von den Vundu-Leuten abgeholt. Auf einer klapprigen, mit Handkurbeln betriebenen Windenfaehre querten wir mit dem fast ebenso klapprigen, alten Landcruiser kurz vor der Gwabe Lodge nochmals den Kafue River. Muede und zufrieden richteten wir uns auf dem lauschigen Campingplatz der Lodge ein.

Unser Guide Victor; Abend am Zambezi


Elefanten am Flussufer


Flusspferd in der Stroemung; ein Einbaum mit Biss eines Flusspferdes (gelbe Flicke). Die beiden Fischer verkauften uns etwas von ihrem Fang, nachdem Victor beim Fischen keinen Erfolg hatte.


Die Faehre ueber den Kafue River; Kinder, die Unterhaltung in der Warteschlange


Viele Frauen und Maedchen tragen kunstvoll geflochtene Frisuren




Der South Luangwa National Park

Von Chirundu aus fuhren wir via Lusaka in zwei Tagen zum South Luangwa National Park, mit Stop unterwegs im Bridge Camp (230Km oestlich von Lusaka, am Luangwa River). Zweiter Tag: Nach dem Staedchen Chipata fuehrt der Weg ueber eine unangenehme Holperpiste ueber 120 Kilometer in die Naehe des Parks, wo ploetzlich wieder eine Teerstrasse und einige Souvenirshops (siehe Bilder zuunterst) zu finden sind - dem Flugplatz von Mfuwe mit seinen gut betuchten Gaesten sei Dank. Im Flat Dogs Camp wenige Hundert Meter vom Parkeingang weg feierten wir ein freudiges Wiedersehen mit Kate und Jason, den beiden Briten, mit denen wir fast zwei Wochen in Botswana unterwegs waren. Fuenf Tage genossen wir das Leben auf dem lauschigen Campingplatz am Ufer des Luanga Rivers. Mehrmals taeglich wateten 100 Meter neben dem Zeltplatz Elefantengruppen durch den Fluss, manchmal spazierten sie auch quer durch das Camp. Deshalb mussten wir alle Lebensmittel in einem Raum wegschliessen - Autos mit Esswaren wurden schon in der ersten Nacht von den Elefanten aufgebrochen, ganze Overlander-Gruppen um ihr Essen gebracht, das sie in Kisten vor dem Bus aufgetuermt hatten. Sogar am futterfreien Auto unserer Zeltplatznachbarn Lilly und Thomas hatten sie geruettelt - es hat wohl noch nach etwas feinem gerochen. Zwischen Zelten und Autos kann man nachts auch mal auf ein Flusspferd treffen. Tagsueber wurden unachtsamen Gaesten Esswaren von Vervet Monkeys und Pavianen geklaut... das Camp selbst war schon fast wie ein Zoo...

Eigentlicher Zweck unseres Aufenthaltes hier war natuerlich der Besuch des landschaftlich sehr abwechslungsreichen South Luangwa National Parks. Wir leisteten uns eine schoene Nachtsafari (Stachelschweine, Hyaenen, Leopard, Loewe, ...) und verbrachten zwei ganze Tage innerhalb des Schutzgebietes. Der Fluss hat Sandbaenke und Steilufer geformt und Altarme hinterlassen, auf ehemaligen Schwemmflaechen waechst Vegetation von fast offener Savanne bis Wald. Die vielfaeltige Tierwelt ist sich Paparazzi-Touristen gewohnt und wenig scheu. Fuer uns ist South Luangwa einer der landschaftlich schoensten Parks, die wir bisher besuchten! Speziell sind hier die Thornicroft's Giraffen, die kein Fleckenmuster unterhalb des Sprunggelenkes aufweisen wie die anderen Unterarten. Zudem sind sie die noerdlichsten Giraffen im suedlichen Afrika, erst in Tansania gibt es wieder Giraffen. Ebenso speziell ist das Crawshay's Zebra, eine Unterart des Steppenzebras (Burchell's Zebra), dem die Schattenstreifen fehlen. Fuer Ornithologen ist der Park ein El Dorado... Aber lassen wir die Bilder sprechen:

Lilly und der Elefant; Vervet Monkey


Buschbock (Weibchen); Thornicroft's Giraffe


Crawshay's Zebra; Pukus


Crawshay's Zebra ohne Schattenstreifen (South Luangwa N.P., Sambia); Burchell's Zebra (Etosha N.P., Namibia)


Flusspferde im Luanga River


Rettungsboot von Lacoste...


Jason auf Pirsch; Bienenfresser vor dem Luanga River


White Fronted Bee Eater; Pel's Fishing Owl jagt Fische und watet dazu sogar im Wasser


Sacred Ibis; Yellow Billed Stork beim Fischen


Yellow Billed Stork beim Balztanz (?) und im Flug


Weisse Pelikane


Kate und Jason unter einem Baobab (Affenbrotbaum); seine Bewohner: ein Bienenvolk


Bueffel


In Sambia, Malawi und Mocambique ist Baumwollproduktion ein wichtiger Teil der Landwirtschaft (Rohbaumwolle bei Chirundu); Arbeiter von Mango Tree Crafts in Mfue gestalten kunstvolle Textilprodukte in Handarbeit (rechts, unten)




Nach den Tagen im Park mit Kate und Jason mochten wir uns noch nicht trennen. Die beiden wollten uns noch ein schoenes Plaetzchen am Lake Malawi zeigen, schliesslich hatten sie eineinhalb Jahre in Malawi gearbeitet. In einem langen Tag fuhren wir zusammen vom South Luangwa National Park ueber Chipata und Lilongwe nach Senga Bay am Lake Malawi. Mehr dazu im Reisebericht ueber Malawi.